Mittwoch, 19.5.2010 - 13.45 - 15.15 Uhr
Viel Potenzial aus Ländersicht - Prozessketten zwischen Unternehmen und Verwaltung
Die Referenten Michael Hüllen, Wirtschaftskoordination und Wissenschaftskooperation E-Government, Ministerium des Innern des Landes Brandenburg und Friederike Thessel, IfG.CC – The Potsdam eGovernment Competence Center, berichten in ihrem Vortrag, dass durch die Studie zur „Identifizierung und Priorisierung strategisch relevanter Prozessketten zwischen Unternehmen und öffentlicher Verwaltung“ verdeutlicht werden konnte, dass Prozessketten nicht nur auf Bundes-, sondern auch auf Landesebene hoch relevant sind und auch auf Landesebene die Möglichkeit gegeben ist, durch E-Government-Strategien „Bürokratie“ abzubauen.
Im Rahmen der Studie, die vom Institute for E-Government an der Universität Potsdam (IfG.CC) durchgeführt wurde, haben sich die Akteure zum Ziel gesetzt, eine wirtschaftsorientierte Vorgehensweise zu etablieren. Ausgangspunkt der Studie war die Optimierung von Informationspflichten aus Gesetzen und Rechtsverordnungen, die Unternehmen gegenüber der Verwaltung von Brandenburg nachzukommen haben. Ziel der Studie sollte es sein bis zu zehn Informationspflichten, mit bis zu vier beteiligten Akteuren, zu identifizieren und priorisieren. Mithilfe der QuickScan-Untersuchung der Staatskanzlei Brandenburg, wurden zunächst die zu berücksichtigenden gesetzlichen Grundlagen (insgesamt 1327) einbezogen.
Danach wurden die Prozessketten durch eine Vorgehensmethode ermittelt, welche auf vier Schritten basiert: (1) Identifizierung und Priorisierung von Wirtschaftszweigen, (2) Identifizierung und Priorisierung von Informationspflichten, (3) Beschreibung der Informationspflichten und Auswahl der Prozessketten auf Basis von Steckbriefbeschreibungen sowie einer (4) Detailerhebung und Beschreibung der ausgewählten Prozessketten auf Basis von Prozessbausteinen.
Drei Informationspflichten wurden dabei detailliert betrachtet und zwar die Informationspflichten bezüglich der Sondernutzung von Straßen gem. § 18 BBStrG, (Brandenburgerisches Straßengesetz) die Feldes- und Förderabgabe Erklärung gem. § 2 FFV Verordnung über die Feldes- und Förderabgab und die Anzeige der Anwendung und Abgabe von Pflanzenschutzmitteln gem. §1 (Pflanzenschutzsachkundeverordnung).
Abschließend konnte festgestellt werden, dass bei allen untersuchten Prozessketten die Durchlaufzeit eines Vorgangs im Wesentlichen durch das Ausmaß von Transport- und Liegezeiten bestimmt wurde und somit das wesentliche Optimierungspotential nicht bei den Prozessketten selbst, sondern vielmehr bei den Schnittstellen zwischen den beteiligten Akteuren gesehen wurde.
Eine Optimierung konnte in der Studie daher durch bewusst einfache technische und organisatorische Lösung realisiert werden, so dass beispielsweise für die Sondernutzung zukünftig die Front-Office-Struktur des Brandenburger Einheitlichen Ansprechpartners genutzt wird.
Somit wurde mit Hilfe von E-Government-Lösungen eine effizientere Einbeziehung der Akteure gewährleistet und eine schnellere Abwicklung erreicht.
(Christin Petersen)
Digital unterstütztes Ressourcenmanagement von Eingliederungshilfen nach SGB XII mit StePsy
Herr Hans-Heinrich Löhr, Leiter der Steuerungsstelle Psychiatrie beim Gesundheitsamt Bremen, geht in seinem Vortrag „Digital unterstütztes Ressourcemanagement von Eingliederungshilfen nach SGB XII mit StePsy“ zunächst auf die Hintergründe ein, die die Steuerungsstelle beim Gesundheitsamt Bremen und ihre Partner dazu bewegt haben, ein eigenes Datenbanksystem zu entwickeln.
Gängige Datenbankprogramme und vergleichbare Softwarelösungen seien allzu oft nicht für Verwaltungsdienstleistungen konzipiert worden, so dass diese Programme gerade bei der schnellen Verarbeitung komplexer Leistungs- und Kostendaten und beim effektiven Informationsmanagement hinsichtlich personenzentrierten Eingliederungshilfen im gemeindepsychiatrischen Verbund nur sehr eingeschränkt verwendet werden konnten. Zudem waren die entstehenden Investitions- und Betriebskosten vergleichsweise hoch.
Das System StePsy, welches zunächst „nur“ für den Einsatz im psychiatrischen Versorgungssystem entwickelt wurde, ist heute eine Anwendung, die Unterstützung beim Ressourcemanagement von Eingliederungshilfen nach SGB XII bietet. Sowohl die Organisation einzelner Leistungsangebote sowie die Durchführung der kommunalen Versorgung kann durch StePsy gesteuert werden.
Die effizientere und schnellere Datenerhebung wird durch den modularen Aufbau (Datenbestand, Leistungserhebung, Controlling, Datenabgleich, Texterstellung und -verwaltung), sowie durch den Datentransfer in elektronische Form zwischen den Verfahrensbeteiligten gewährleistet. Wobei der Abfrage-Generator von StePsy es erlaubt, auch ohne Vorkenntnisse einen schnellen und komfortablen Überblick über alle notwendigen Daten zu erhalten. Außerdem wird die Dokumentation durch Leistungsbringer ermöglicht und damit die Ansprüche an Verfahrenstransparenz und Qualitätssicherung erfüllt.
StePsy ermöglicht die Gewinnung von statistischen Daten von der Einzelfallebene bis zur kommunalen Gesamtübersicht unter Berücksichtigung des Datenschutzes. Hierbei wird neben der Erfassung von Finanzinformationen auch die Verfahrensdokumentation durchgeführt. Des Weiteren verdeutlichte Herr Löhr die Leistungsfähigkeit des Datenbanksystems, indem er den Teilnehmern aufzeigte, dass 2009 die Stadtgemeinde Bremen 1741 Anträge von seelisch kranken Menschen zu bearbeiten hatte, die Eingliederungshilfe beantragt hatten.
Für nähere Informationen sei auf den Link:
www.stepsy.de verwiesen.
(Christin Petersen)