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Bericht von Track E: STEUERUNG


Dienstag, 18.05.2010 – Foren E01 - E03

Bereits am ersten Tag des 11. Kongress neueVerwaltung haben innerhalb des Tracks Steuerung drei Foren eindrucksvoll die Vielseitigkeit und Komplexität IT-gestützter Steuerungssysteme erkennen lassen. Allen Foren war dabei die Forderung nach Medien-, System- und Zielharmonie gemein. Insbesondere die ex-ante Formulierung von Zielen und Zwecken der neuen Steuerung wurde herausgestellt. Diese scheint in der Praxis oft vernachlässigt zu werden. Es ist daher entscheidend, anzuerkennen, dass die Konstruktion eines Systems oder einer Applikation zu einem sehr großen Maße davon abhängt, wie gut die Zielvorgaben gemacht wurden. In der Anwendung sind die Systeme wiederum nur so gut wie die eingegebenen Inhalte es erlauben.


E01 Entscheidungen und Prozesse – IT-gestützte Verwaltungssteuerung 

In der Einführung reflektierte Stefan Friedrichs (Public One) kurz über die Entwicklung und Erarbeitung von Prozessketten in den letzten zehn Jahren. Er beschrieb durchaus (selbst-) kritisch, wie man anfangs noch zu sehr auf die Detaillierung von Akteuren, Timing und Vorgaben gesetzt hatte. De facto wurde zu viel Energie und Ehrgeiz in die theoretische Veränderung gesteckt. Heute hat man aus den Erfahrungen gelernt und geht durchaus pragmatischer vor.

Jochen Messer (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung Rheinland-Pfalz) illustrierte in diesem Zusammenhang die notwendig gewordene Verknüpfung von Planungs- und Kontrollsystemen. Er beschrieb die fehlende Brücke zwischen beispielsweise Personal- und Finanzsystemen als unnötigen Aufwandstreiber. Die Vorteile integrierter Systeme wurden an diesem Beispiel sehr schnell sichtbar. Insbesondere wurde aus der Diskussion hervorgehoben, dass ein (externes) Benchmarking erstmalig möglich wurde. Messer stellte dies als lehrreiche Erfahrung dar, da es auch über verschiedene Sektoren hinweg neue Impulse für den Dienst setzten kann.

Volker Steinbeck (Leiter Stab Kunden- und Produktmanagement, ekom21 – KGRZ Hessen) folgte und schilderte sehr gegenstandsnah die Neuerungen im Personenstandsregister. Thematisch ruderte er allerdings etwas von seinem Vorredner Jochen Messer zurück: Beurkundungen wurden bisher immer mit Stift und Papier ausgeführt. Die hier entstehende Herausforderung liegt daher noch weit vor der Verknüpfung von Systemen. Zuerst müssen für Jahrzehnte angesammelte Registerdaten digitalisiert werden. Diese von ihm beschriebene „kleine Revolution“ verlief bisher weitestgehend ohne die Entscheider, aber gegeben der rechtlichen Rahmenbedingungen (Digitalisierung bis 31.12.2013) muss sie stattfinden.

Oliver Röniger (Oracle) hatte eine wichtige Mitteilung: Technisch ist alles machbar. Ganzheitliche Steuerung kann technisch mittlerweile sehr gut unterstützt werden. Wichtig ist nur, dass die Anforderungen von Entscheidern, Analysten (Controllern) und der Masse der Anwender definiert werden. Die nötigen Inhalte müssen ausreichender Sorgfalt vor der Konstruktion bestimmt werden. Ein Verweis auf das veröffentliche Reporting von New York City zeigte, dass eine Masse von Information bereitgestellt werden kann. Oliver Röniger wies aber gleichzeitig darauf hin, dass der Ausschnitt an Informationen und die Aggregationsstufe auf den jeweiligen Anwender abgestimmt und individualisiert werden sollte. Erst das erleichtert ihm die Arbeit.


E02 Finanzmanagement und Controlling

Dr. Michael Rannacher (dbb Akademie) ebnete den Weg für die drei Referenten. Auch wenn die „Flughöhen“ der Vorträge zum Teil sehr stark variierten, so  wurde den Zuhörern spätestens dadurch klar, dass Erfolgsfaktoren sowohl auf strategischer wie auch auf operativer Ebene bestehen.

Dr. Andrea Marlière (NETCO Business/Network/Management) konnte erfolgreich vermitteln, dass die Grundlage einer modernen Steuerung insbesondere durch verantwortungsbasiertes Controlling zu bewerkstelligen ist. Durch Analysen der Wertschöpfungsketten innerhalb der Organisation können unterschiedliche Ebenen von Verantwortungen identifiziert werden. Diese strukturieren erst die Anwendbarkeit von (individualisierten) Kennzahlen. M.a.W. ist jedem Organisationsmitglied seine geschuldete Leistung zuzuordnen und im Anschluss auch entsprechend nachzuhalten.

Bernd Landgraf (Leiter des Informatikbetriebes Bielefeld) zeigte anschaulich die Meilensteine, Fortschritte und Rückschläge bei der Systemweiterentwicklung des Finanzsystems auf. Bei einer „Operation am offenen Herzen“ kommt es darauf an, voneinander zu lernen und alle Beteiligten mitzunehmen, wenn man nachhaltigen Erfolg sichern möchte.

Patrik Wagner (Hessisches Ministerium der Justiz) wurde in seinem Vortrag noch konkreter. Er ging auf die beteiligten, externen Akteure im Justizumfeld ein. Insbesondere da die am Gericht tätigen Juristen oft in traditionellen Arbeitsumwelten verhaftet scheinen, d.h. sich z.B. auf ihre etablierten Systeme verlassen, die Scheckvordrucke erstellen, müssen diese zur Reduktion des Verrechnungsaufwandes der Justizbehörde entsprechend „abgeholt“ werden. Patrik Wagner demonstrierte, wie man diesen Partnern u.a. durch e-payment Konten und Zahlungsterminals aufzeigt, dass auch Ihnen durch neue Prozesse Arbeit erspart werden kann.
 

E03 Forum Amt24: Fachverfahren 2.0 Intelligenz – Interaktion – Integration

Anne Rudolph (Amt24) leitete das Forum ein und übergab dann zum einführenden Vortrag an Maik Farthmann, (]init[ AG für digitale Kommunikation). Er referierte zur durchgeführten Web2.0 Studie und zeigte, dass 2.0 Anwendungen durchaus bekannt sind und zunehmend Einzug in die Verwaltungspraxis nehmen – selbst wenn die Definition von Web2.0 immer noch sehr schwierig scheint. Die drei Beiträge, darunter zwei Fallstudien, zeigten im Anschluss eindrucksvoll, wohin dabei die Reise gehen kann.

Dr. Andreas Prüfer (Bezirksamt Lichtenberg von Berlin) zeigte, wie das Leitbild einer Bürgerkommune Lichtenberg mit Leben gefüllt wurde. Durch partzipative Verfahren (inkl. internetgestützten Anwendungen) wird ein millionenschwerer Bürgerhaushalt mitbestimmt. Interessant war insbesondere die Einschätzung von Dr. Prüfer, dass es nicht darauf ankommt, die Beteiligung durch Signaturprogramm o.ä. so kompliziert zu machen, dass sie nicht mehr genutzt werden. Man sollte vielmehr den Bürgerinput in den Vordergrund stellen und Mut zu neuen Anwendungen vor den Kontrollzwang stellen.

Dr. Ortwin Böckmann (Ministerium des Inneren des Landes Brandenburg) präsentierte einen weiteren Praxisfall, der aktuell immer weitere Kreise in Brandenburg zieht. Der „Maerker Brandenburg“ bietet Bürgern die Möglichkeit, Missstände in der Kommune im Internet einzugeben. Versprechen ist dabei, dass jeder Eintrag innerhalb von 3 Tagen durch Vertreter der Kommune bearbeitet und der Status mit einer Ampeleinschätzung gekennzeichnet wird. Ortwin Böckmann zeigte zudem, wie diese Möglichkeit sogar ältere Bürger zu „Detektiven der Kommune“ gemacht hat – in einem realen Beispiel gehen diese mit dem Fotoapparat durch die Straßen und machen anschließend online auf Missstände, wie klappende Straßenschilder oder öffentlich deponierten Sperrmüll aufmerksam. Immer mehr Kommunen Brandenburgs beteiligen sich an dem Maerker. Auch wenn einige Kommunen versuchen, über das 3 Tage-Versprechen zu verhandeln, so bleiben die Organisatoren ihrem Credo und damit den Bürgern treu.

Karsten Noack (Amt24 und Scopeland Technology) erläuterte abschließend in seinem Vortrag, wie Fachverfahren in der Zukunft durch 2.0 Anwendungen revolutioniert werden könnten. Sein Aufruf als IT-Dienstleister an die Verwaltungsvertreter war, sich nicht mehr mit Anwendungen zufrieden zu geben, die auf alten Standards wie beispielsweise 1024-er Bilder basieren. Es müssen klare Anforderungen formuliert werden und die Softwareentwickler haben diesen in Zukunft nachzukommen.

(Paul Schulze-Cleven)

 


  Anmeldung zur Veranstaltung

© 2005 . www.neue-verwaltung.de / Dienstag, 7. September 2010