Verwaltung zwischen Rechtsstaatlichkeit,
Bürgerorientierung und Transparenz
Zum Auftakt des Kongresses fand eine Podiumsdiskussion statt, an der Cornelia Rogall-Grothe, Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, Volker Halsch, Mitglied der Geschäftsleitung Vivento, Dr. Josephine Hofmann, Fraunhofer Institut Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, Dr. Marianne Wulff, Geschäftsführerin VITAKO, und Dr. Lahmann, IT-Beauftragter des Landes Niedersachsen, teilnahmen.
Unter der Moderation von Manfred Klein, Redaktionsleiter der Fachzeitschrift eGovernmentComputing, diskutierten die Teilnehmenden das Kongressmotto Verwaltung ist Wissen unter den Aspekten Personal, Netzwerke und Hierarchien. Dabei ging es um das Spannungsverhältnis von rechtssicherem Verwaltungshandeln, Mitarbeiterführung, Wissensmanagement und Bürgerorientierung.
Die neue Bundes-CIO Rogall-Grothe (links, mit Anke Weigend, dbb akademie) verwies dabei auf die hohen Anforderungen, die die Informationsflut an die öffentliche Verwaltung stelle und betonte, dass die Verwaltung schnell auf neue Entwicklungen reagieren müsse. In jüngster Zeit berücksichtige die Bundesregierung auch verstärkt Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung bei der Beratung von Gesetzen und Projekten.
Dr. Lahmann plädierte dafür, dass sich die Verwaltung den modernen Entwicklungen wie web 2.0 und social networks stärker öffnet. Ansonsten werde man zum Getriebenen infomationstechnischer Megatrends. Die Verwaltung sollte sich an der Wirtschaft orientieren und im Sinne von One-face-to-the-customer agieren. Hier sei noch erhebliches Potential vorhanden. Die Personalentwicklung leide unter fehlender Kongruenz zwischen Fach- und Führungslaufbahn. Es müsse bessere Möglichkeiten für Team- und Projektarbeit und flachere Hierarchien geben.
Frau Dr. Wulff verwies darauf, dass aktuelle politische Bewegungen wesentlich durch web 2.0 organisiert würden und die öffentliche Verwaltung hier sehen könne, welche Themen die Bürger bewegen. Hierbei könne die Verwaltung auch ein eigenes agenda-setting lernen. Sie griff die These von Prof. Krcmar auf und plädierte für ein effizientes, abgestimmtes, föderales Wissensmobilisierungsprogramm. Die mit dem Internet aufgewachsene Generation (digital natives) sei bereits in der Verwaltung angekommen und biete eine große Chance für interne Modernisierungen.
Herr Halsch unterstrich diese These mit dem Hinweis, dass Hierarchien umgangen würden, wenn sie nicht reagieren und dass digital natives auch schwer in Hierarchien einzubinden seien. Andererseits benötige man sie dringend und müsse überlegen, wie man sie für die Verwaltung gewinnen könne.
Frau Dr. Hofmann hob in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Fortbildung innerhalb der Verwaltung hervor und verwies darauf, dass hier ein langer Atem erforderlich sei.
Skepsis ließ Frau Rogall-Grothe am Ende der Diskussion erkennen: Hierarchien verlören zunehmend an Bedeutung, da die moderne Verwaltungskultur die Mitwirkung aller Beteiligten im Blick habe und stark auf Teamarbeit setze. Allerdings müsse die rechtsstaatliche Verwaltung dauerhaft zuverlässig arbeiten und könne sich nicht in Projektgruppen auflösen. Das Prinzip der Zuständigkeit sei eine wesentliche Sicherung für das Verwaltungshandeln.